Nur noch 35 Paare: Braunkehlchen droht auszusterben

Eingestellt / verfasst von Andreas Grosch, Dienstag, 16 August 2016, Zugeordnet zu Presseartikel

Intensive Landwirtschaft hindert am Brüten – Bestand des Großen Brachvogels erholt sich.

Nur noch 35 Paare: Braunkehlchen droht auszusterben

Bis vor Kurzem galt das Braunkehlchen als Paradevogel auf Oberösterreichs Wiesen – nun steht es vor dem Aussterben: Bei der Zählung von Wiesenvögeln der Tierschutzorganisation BirdLife wurden heuer nur noch 35 Paare gesichtet. "Vor 40 Jahren waren es 1000 bis 3000", sagt Hans Uhl, der die Zählung leitete. Die letzten Bestände wurden im Mühlviertel, in Sandl, Liebenau, Bad Leonfelden und Klaffer, entdeckt.

Im Vergleich zu den Wald- und Wasservögeln seien ihre Kollegen auf Feldern "Sorgenkinder": "Ihre Zahl ging in Europa in den vergangenen 30 Jahren um 300 Millionen zurück." Grund dafür ist die intensive Landwirtschaft, die den Vögeln das Brüten auf dem Feld unmöglich macht. "Früher wurde das Gras ein bis zwei Mal geschnitten, heute bis zu fünf Mal."

Dass sich mit dem Braunkehlchen ein ehemaliger "Charaktervogel" aus Oberösterreich verabschiedet, tut dem Experten weh: "Damit geht eine Leitart für einen funktionierenden Artenreichtum verloren." Ein Verlust mit Folgen: Mit dem Braunkehlchen sind weitere Tierarten wie Insekten und Schmetterlinge bedroht.

Großer Brachvogel breitet sich aus

Positiv entwickelt hat sich der Bestand des Großen Brachvogels: Bei der Zählung vor vier Jahren wurden knapp 50 Paare gezählt – so viele wie nie. Diese Zahl wurde heuer bestätigt. Und das, obwohl nasskaltes Wetter im Frühjahr den Bruterfolg verringerte. Für den Vogelexperten Hans Uhl ist das auch ein Erfolg des Europaschutzgebietes „Flugplatz Welser Heide“, das trotz Protesten eingerichtet wurde. Hier gab es den meisten Brachvogel-Nachwuchs. Insgesamt hat sich die Population in den vergangenen 20 Jahren im Land verdoppelt. Sie gehört damit zu den größten Oberösterreichs.

Die hohe Artenvielfalt in Flora und Fauna zu erhalten, sei Ziel der Naturschutzmaßnahmen des Landes, sagt Landeshauptmann-Stv. Manfred Haimbuchner (FP): „Die Wiederherstellung von speziellen Wiesen soll dazu beitragen, dass Vögel ausreichend Lebensraum und Nahrung finden.“

Uhl fordert nun, dass das Land Oberösterreich die Vogelschutzmaßnahmen deutlich verstärkt. Derzeit gebe es 80 Hektar an Feldern, die so spät gemäht werden, dass die Braunkehlchenpaare ungestört brüten können. "Wir würden 400 Hektar brauchen. Hier müssen den Landwirten attraktivere Angebote gemacht werden." Im Salzburger Lungau sei es gemeinsam mit 100 Bauern gelungen, die Zahl der bedrohten Vogelart wieder zu erhöhen.

Wiesenvögel werden in Oberösterreich seit 1992 alle vier Jahre gezählt. Heuer machten sich 25 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter von BirdLife in 102 Gebieten auf die Suche. Insgesamt gibt es rund 15 verschiedene Arten, untersucht wurden zehn. Weitere Ergebnisse: Auch der Bestand der ehemals im Mühlviertel verbreiteten Heidelerche ging auf 30 Paare zurück. Uferschnepfen und Grauammern gibt es nicht mehr, der Bestand der Rohrammer ist dagegen stabil. Freude bereitet den Vogelkundlern dagegen der Kiebitz, der etwa in Kärnten bereits ausgestorben ist: "In Oberösterreich haben wir rund 2000 Brutpaare gezählt." Warum sich ausgerechnet diese Vogelart hierzulande so wohl fühlt, darüber rätselt auch Experte Uhl: "Um ehrlich zu sein: Wir wissen es nicht."

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